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Fünf Überlegungen zur Rehabilitation von Hunden nach einer orthopädischen Operation

30.10.2025

Orthopädische Eingriffe und die anschließende Rehabilitation können die Wiederherstellung der Gliedmaßenfunktion eines Tieres optimal fördern. Orthopädische Operationen können einen dauerhaften Funktionsverlust verhindern, während ein gut geplantes Rehabilitationsprogramm Komplikationen vorbeugen kann, die die Lebensqualität des Tieres beeinträchtigen könnten.12 Die Zusammenarbeit zwischen dem chirurgischen und dem Rehabilitationsteam trägt wesentlich zu einer erfolgreichen Rehabilitation bei.

Im Folgenden werden fünf wichtige Aspekte für die postoperative orthopädische Rehabilitation aufgeführt:

Entzündung und Schmerzen

Gewebereparatur

Gelenkbewegungsumfang

Gangwiederherstellungstraining

Krafttraining

1. Entzündung und Schmerzen
Aufgrund validierter Forschungsergebnisse haben sich nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) als Standardtherapie zur Behandlung von postoperativen Entzündungen und Schmerzen nach orthopädischen Eingriffen etabliert.4-7 Die Entzündungsphase im Rahmen der Gewebereparatur tritt typischerweise 3–5 Tage nach der Verletzung auf.8 Ödeme, Schwellungen und Schmerzen nach orthopädischen Operationen können jedoch länger anhalten. Daher sollte der Einsatz von NSAR individuell angepasst werden. NSAR können vor der Nahtentfernung verabreicht werden; eine anschließende Untersuchung des Tieres entscheidet über die weitere Anwendung.5-7
Vor dem Wundverschluss kann die Infiltration des Inzisionsgebiets mit einer liposomal verkapselten Bupivacain-Formulierung die Stimulation peripherer Schmerzrezeptoren durch proinflammatorische Zytokine reduzieren und die Schmerzweiterleitung mit einer Wirkdauer von bis zu 72 Stunden blockieren.9 Periphere Nervenblockaden verbessern nachweislich die postoperative Analgesie, fördern die schnellere Mobilisierung und wirken sich positiv auf den Operationsverlauf und die postoperative Erholung aus. Sie können zudem die Toleranz der Patienten gegenüber der unmittelbaren postoperativen Rehabilitation erhöhen. Obwohl die Anwendung peripherer Nervenblockaden in diesem Kontext in der Veterinärmedizin noch nicht untersucht wurde, scheinen ähnliche Vorteile bei Hunden und Katzen zu bestehen.

Die Kryotherapie nutzt niedrige Temperaturen, um Entzündungen und Schmerzen im Operationsgebiet zu lindern. Durch die Senkung der Gewebetemperatur kann der Stoffwechsel geschädigten Gewebes verlangsamt, eine Gefäßverengung (Vasokonstriktion) bewirkt, die Nervenleitgeschwindigkeit sensorischer Reize reduziert, die Konzentration entzündungsfördernder Zytokine gesenkt und die Muskelerregbarkeit herabgesetzt werden. Dies kann Entzündungen und Gewebeschäden verringern, Ödeme und Schwellungen lindern, Muskelkrämpfe lösen und Schmerzen reduzieren. Einfache Eisbeutel lassen sich herstellen, indem man einen Beutel mit Eiswürfeln oder gefrorenem Gemüse in ein dünnes Handtuch oder einen Kissenbezug wickelt. Alternativ können auch handelsübliche Kühlpacks aus Segeltuch (siehe Abbildung 1) verwendet oder mit Nylonbändern um die betroffene Extremität und das Gelenk fixiert werden.

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(Abbildung 1) Die Hypothermiebehandlung wurde durchgeführt, indem ein handelsüblicher Kühlakku aus Segeltuch um das Knie des Hundes gewickelt wurde.
Der Eisbeutel wurde auf das gesamte Kniegelenk aufgelegt, nicht nur auf die Außenseite. Das andere Hinterbein wurde mit einer Decke geschützt.

Der Eisbeutel sollte groß genug sein, um das gesamte Operationsgebiet, nicht nur die Wunde, abzudecken. Die empfohlene Anwendungshäufigkeit beträgt 10 bis 30 Minuten alle sechs Stunden. Einige Kryotherapiegeräte üben zusätzlich Druck aus, was den Kontakt zwischen Kältequelle und Behandlungsbereich verbessern kann. Eine Studie zeigte, dass Hunde, die sich einer TPLO-Operation unterzogen und innerhalb von 24 Stunden nach der Operation einen Luftdruck-Kühlbeutel auf das Knie auftrugen, eine deutliche Verbesserung der Schmerzen, der Lahmheit und der Beweglichkeit aufwiesen.

2. Gewebeheilung
Die Lasertherapie (Photobiomodulationstherapie, PBMT) bestrahlt Gewebe mit elektromagnetischer Strahlung einer spezifischen Wellenlänge und induziert so die Umwandlung von Elektronen und Protonen. Zu diesen Effekten gehören die Produktion und Aktivierung von Wachstumsfaktoren, die Stimulation des Zellwachstums und der Stammzelldifferenzierung sowie die Förderung von Gefäßerweiterung, Angiogenese, Fibroblastenproliferation und Epithelisierung, wodurch die Geweberegeneration insgesamt unterstützt wird. In der Veterinärmedizin gibt es keine empfohlene Standarddosis oder -frequenz für die PBMT-Behandlung. Klinisch wird die Anwendung von Lasern des Typs 3B oder 4 mit Dosen von 3–6 J/cm³ bis 8–10 J/cm³ empirisch empfohlen. In der postakuten Phase nach einer Operation wird eine tägliche PBMT empfohlen, wobei die Behandlungsintervalle mit fortschreitender Genesung verlängert werden.

3. Bewegungsumfang
Bei Gelenken ohne Muskelkontraktur ist die passive Bewegungstherapie (PROM) eine gängige Rehabilitationsmaßnahme in der frühen postoperativen Phase. Dieser Ansatz reduziert effektiv Schmerzen und Narbenbildung, stellt die Gelenkbeweglichkeit wieder her, erhält den Fluss und die Gesundheit der Gelenkflüssigkeit aufrecht und beugt Muskelatrophie vor. Die Behandlung wird typischerweise in Seitenlage mit dem betroffenen Bein durchgeführt. Langsame und sanfte Beuge- und Streckübungen werden am zu rehabilitierenden Bein durchgeführt, soweit es für den Patienten angenehm ist.

Die passive Bewegungstherapie (PROM) kann beendet werden, sobald der Patient das betroffene Bein dauerhaft belasten und aktive Bewegungsübungen (AROM) durchführen kann. Methoden zur Förderung der aktiven Bewegungsübungen umfassen das Gehen an der Leine (mit oder ohne Unterstützung), Unterwasserlaufbänder, die Nutzung von Treppen und Rampen sowie Hindernisparcours-Training (siehe Abbildung 2).

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(Abbildung 2) Ein Hund springt über Hürden, wobei die linke Vorder- und die rechte Hinterpfote vollständig gestreckt sind, während die rechte Vorder- und die linke Hinterpfote vollständig gebeugt sind. Das Springen über Hürden ist eine vielseitige Aktivität, die durch die Erhöhung des Abstands und der Höhe der Hürden die aktive Beweglichkeit fördert und Gangbild und Kraft verbessert. Der Hund trainiert zudem seine Rumpfmuskulatur.

Schwimmen fördert die aktive Gelenkbeweglichkeit. Bei Patienten nach einer vorderen Kreuzbandrekonstruktion kann Schwimmen die Beugung im Knie- und Sprunggelenk verbessern.31 Gelenkstreckdefizite sind bei Tieren vor und nach orthopädischen Eingriffen ein häufiges Problem. Unterwasserlaufbandtherapie kann bei der Wiederherstellung der Gelenkstreckung effektiver sein als Schwimmen.28 Sie kann nach der Wundheilung begonnen werden, wobei Tiefe, Tempo und Dauer individuell angepasst werden können.

4. Gangwiederherstellungstraining
Das Gangrehabilitationstraining, auch neuromuskuläre Rehabilitation genannt, umfasst spezielle Übungen zur Stimulation geschädigter Nerven und Muskeln, um deren Verbindung wiederherzustellen. Dieses Training kann die Funktion der betroffenen Gliedmaße vor der Operation wiederherstellen. Übungen, die während der Muskelinnervation durchgeführt werden, regen die Reparatur geschädigter und atrophierter motorischer Nervenbahnen an, fördern die Wiederherstellung neuromuskulärer Reaktionen und reaktivieren periphere und zentrale neuromuskuläre Rückkopplungssysteme, wodurch die Genesung der betroffenen Gliedmaße unterstützt wird. Diese Übungen zielen primär darauf ab, den Gleichgewichtssinn des Tieres zu verbessern und propriozeptive Reflexe zu stimulieren. Dazu gehören Unterwasserlaufbandtraining, Gehen auf verschiedenen Untergründen (z. B. Gras, Asphalt, Erde, Laub), individuell gestaltete Parcours mit temporären Hindernissen unterschiedlicher Höhe und Länge, das Überwinden von Hindernisparcours, Warnkegeln oder Reifen sowie Gleichgewichtstraining auf einem Balancebrett und/oder auf einem Gymnastikball (Abbildung 3).

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(Abbildung 3) Die Vorderbeine des Hundes werden auf einen wippenden Yogaball gelegt. Dies ermöglicht gleichzeitig Gangrehabilitation und Krafttraining und trainiert zudem die Rumpfmuskulatur des Patienten.

Zusätzliches Training kann beinhalten, dass der Techniker beim Gehen die Vorderbeine des Patienten festhält, um eine Tanzpose zu erzeugen, oder die Hinterbeine anhebt, um eine Schubkarrenpose zu erzeugen (siehe Abbildung 4).

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(Abbildung 4) Der/Die Techniker/in hebt beim Gehen die Vorderbeine (A) und Hinterbeine (B) des Hundes in eine Schubkarrenposition. Diese Übungen können zur Verbesserung des Gangbildes und zur Kräftigung bestimmter Muskelgruppen in den Gliedmaßen eingesetzt werden.

5. Krafttraining
Krafttraining besteht primär aus wiederholter Muskelentspannung unter mechanischem Widerstand.34,35 Diese Trainingsform steigert Muskelmasse und -kraft und hilft dem Tier, seine frühere Muskelmasse und Gliedmaßenfunktion wiederzuerlangen.34 Für optimale Ergebnisse sollten alle vier Gliedmaßen gleichzeitig beansprucht werden. Dies kann beispielsweise durch Verringern der Wassertiefe und Erhöhen der Geschwindigkeit beim Unterwasserlaufbandtraining erreicht werden.30 Auch beim Training an Land lassen sich ähnliche Ansätze verfolgen: Steigern der Gehgeschwindigkeit oder Joggen erhöhen die Belastung der Gliedmaßen; das Training des Hundes mit kleinen Fußhanteln; das Ziehen des Schlittens mit schrittweiser Gewichtserhöhung; das Erhöhen der Höhe des Hindernisparcours und Verlängern der Schrittlänge bei „Tanzschritten“ und/oder „Einradlaufen“; sowie das Gehen steiler Hänge können die Kraft steigern. Wiederholte „Sitz-und-Steh“-Übungen stärken die Hüft- und Hinterbeinmuskulatur, während „Platz-und-Steh“-Übungen spezifische Muskelgruppen in Brust und Vorderbeinen trainieren.

6. Rumpfmuskulatur
Menschen legen großen Wert auf die Bauch- und Rückenmuskulatur (eine starke Rumpfmuskulatur), da diese die sportliche Leistungsfähigkeit verbessert.35,36 Die Entwicklung der Rumpfmuskulatur bei Hunden und Katzen ist vergleichsweise schwierig, ihre Bedeutung jedoch nicht zu unterschätzen. Steht ein Tier auf einer instabilen Unterlage (z. B. einem Wackelbrett, einem halbrunden Balanceball oder einem Gymnastikball), versucht es, das Gleichgewicht zu halten und nicht zu fallen.30 Dies fördert die Entwicklung der Rumpfmuskulatur. Während das Tier auf dem Wackelbrett steht, kann das Kraulen des Bauches die Kontraktion der Rumpfmuskulatur fördern.37 Hunde und Katzen können trainiert werden, sich auf Kommando zu rollen – eine Übung, die ebenfalls Rumpfmuskulatur erfordert. Patienten können dazu angehalten werden, diese Übung über einen bestimmten Zeitraum zu wiederholen.30 Ein Physiotherapeut kann außerdem ein Vorderbein und das gegenüberliegende Hinterbein des Patienten anheben und den Patienten für eine gewisse Zeit auf den verbleibenden zwei Beinen stehen lassen. Diese Übung sollte mehrmals wiederholt werden. 37 Diese Übung regt die Kontraktion der Bauch-, Rücken- und Oberarmmuskulatur an und trägt so zur Stärkung der Rumpfmuskulatur bei.

7. Schlussfolgerung
Die postoperative Rehabilitation ist ein wesentlicher Bestandteil der orthopädischen Behandlung von Hunden und Katzen. Obwohl es in der Veterinärmedizin an qualitativ hochwertigen Forschungsergebnissen mangelt, lassen sich wirksame Rehabilitationsmethoden aus der Humanmedizin auf Hunde und Katzen übertragen. Nach jeder orthopädischen Operation sollten postoperative Rehabilitationspläne die Linderung von Entzündungen und Schmerzen, die Förderung der Geweberegeneration, die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit, die Unterstützung der Gangwiederherstellung und die Kräftigung der Muskulatur berücksichtigen.